Wissensdatenbank & Handbuch

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Software-Dokumentation

Bedienungsanleitung für die WENDY Planungs-Suite.

Erste Schritte

WENDY unterstützt Sie bei der professionellen Planung von Tiefbauprojekten. Hier sind die Basics:

1

Projekt erstellen

Definieren Sie Standort, Leitungstypen und Grundparameter über das Dashboard.

2

Trasse planen

Zeichnen Sie Leitungen direkt auf der Karte ein. WENDY berechnet automatisch Längen und prüft Kollisionen.

Projekte verwalten

Erfahren Sie, wie Sie Projekte archivieren, exportieren oder Teammitglieder einladen (Einstellungen → Team).

Hinweis: Gelöschte Projekte können von Administratoren für 30 Tage wiederhergestellt werden.

Karten & Planungstools

Die Kartenansicht ist das Herzstück von WENDY. Nutzen Sie die Werkzeuge am rechten Bildschirmrand:

  • Zeichen-Tools: Polygon-, Linien- und Marker-Werkzeuge für exakte Planung.
  • Ebenen: Schalten Sie Satellitenbilder, Katasterkarten (falls verfügbar) und Hindernisse ein/aus.
  • Messwerkzeug: Messen Sie Abstände zu Gebäuden oder anderen Leitungen.

Software FAQ

Kann ich WENDY offline nutzen?

Ja. Die App cacht automatisch Projektdaten. Für Kartenmaterial müssen Sie vorab den Bereich "Offline verfügbar machen".

Sind meine Daten sicher?

Alle Projektdaten werden verschlüsselt übertragen und auf deutschen Servern gespeichert (DSGVO-konform).


Handbuch: Infrastruktur

Leitfaden für Planung, Genehmigung und Bau.

1. Projektinitialisierung und Grundlagenermittlung

Die Phase der Projektinitialisierung legt das Fundament für den Erfolg von Infrastrukturmaßnahmen. Fehler oder Informationsdefizite in dieser frühen Phase wirken sich exponentiell auf die Kosten und Termine der späteren Umsetzung aus.

1.1. Bedarfsplanung und Projektziele

Die klare Definition der Projektziele und eine fundierte Bedarfsanalyse sind die Voraussetzungen für Kostensicherheit und Termintreue.

Grundlagenermittlung (HOAI Leistungsphase 1)

Diese Phase dient der Klärung der Aufgabenstellung. Zu den zentralen Tätigkeiten gehören:

  • Bedarfsfeststellung: Klärung der Voraussetzungen zur Erfüllung der Bauaufgabe in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber.
  • Ortsbesichtigung: Eine Begehung des Standorts ist zwingend erforderlich, um erste bauliche und technische Randbedingungen zu erfassen.
  • Beratung zum Leistungsbedarf: Der Planer muss den Auftraggeber hinsichtlich des gesamten Leistungsbedarfs beraten und formulieren, was genau benötigt wird.
  • Zusammenfassung: Die Ergebnisse werden schriftlich fixiert und bilden die Basis für die weitere Planung.
Strategische Informationsbedarfe

Bereits zu Beginn müssen strategische Informationslücken identifiziert werden. Eine mangelnde Informationsbasis führt oft zu Planungsfehlern; daher ist eine frühzeitige Defizit-Analyse entscheidend für die Qualitätssicherung.

Machbarkeitsstudien

Vor dem eigentlichen Planungsbeginn können Machbarkeitsstudien als "Besondere Leistung" notwendig sein, um technische und wirtschaftliche Risiken frühzeitig abzuwägen.

1.2. Rechtliche Rahmenbedingungen und Honorarordnung

Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) strukturiert den Projektablauf in Deutschland in neun Leistungsphasen. Für die Initialisierung sind insbesondere die vertraglichen und methodischen Weichenstellungen relevant.

Die HOAI-Struktur

Die HOAI regelt die Vergütung und unterteilt die Planungsprozesse in klar definierte Schritte.

  • Leistungsphase 1 (Grundlagenermittlung): Macht ca. 2 % bis 3 % des Honorars aus.
  • Leistungsphase 2 (Vorplanung): Umfasst die Erarbeitung der wesentlichen Teile einer Lösung (ca. 7 % des Honorars).
  • Abgrenzung von Leistungen: Es wird zwischen „Grundleistungen“ (allgemein erforderlich) und „Besonderen Leistungen“ (projektspezifisch, z. B. Umweltverträglichkeitsprüfungen) unterschieden.
Empfehlungen der Reformkommission Großprojekte

Um Kostensteigerungen und Terminverzögerungen zu vermeiden, empfiehlt die Reformkommission:

  • Kooperatives Planen: Partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Beteiligten von Beginn an.
  • Risikomanagement: Einführung eines kontinuierlichen Risikomanagements bereits in der Initialisierungsphase.
  • Transparenz: Klare Kommunikation und Nutzung digitaler Methoden zur Erhöhung der Planungssicherheit.

1.3. Digitalisierung und BIM (Building Information Modeling)

Building Information Modeling (BIM) ist keine Software, sondern eine Arbeitsmethode, die auf der Erstellung und Nutzung intelligenter digitaler Bauwerksmodelle basiert. Im Leitungsbau bietet BIM die Möglichkeit, den gesamten Lebenszyklus von der Planung über den Bau bis zum Betrieb abzubilden.

Mehrwert von BIM in der Initialisierung
  • Bestandserfassung: Die digitale Erfassung des Bestands (z. B. durch Laserscan oder Drohnen) bildet die Grundlage für das "As-built"-Modell und vermeidet Kollisionen mit vorhandener Infrastruktur.
  • Visualisierung: Komplexe Trassenführungen und Zwangspunkte werden für alle Beteiligten (auch Nicht-Fachleute) verständlich visualisiert.
  • Planungssicherheit: Durch die Simulation des Bauablaufs und der Kosten im Modell (5D-Planung) wird die Planungssicherheit erhöht.
BIM-Anwendungsfälle und Anforderungen

Zu Beginn des Projekts (in den Auftraggeber-Informations-Anforderungen, AIA) müssen die Ziele definiert werden:

  • Kollisionsprüfung (Clash Detection): Automatisiertes Aufspüren von Konflikten zwischen verschiedenen Gewerken (z. B. Rohrleitung kreuzt Kabeltrasse).
  • Baufortschrittskontrolle: Soll-Ist-Vergleiche während der Ausführung.
Datenaustausch und Schnittstellen

Für die Zusammenarbeit ist die Wahl der Austauschformate entscheidend:

  • Open BIM: Nutzung offener Standards wie IFC (Industry Foundation Classes) ermöglicht den softwareunabhängigen Datenaustausch.
  • Closed BIM: Nutzung nativer Dateiformate einer Softwarefamilie innerhalb eines geschlossenen Systems.
  • Little BIM vs. Big BIM: Unterscheidung zwischen der Nutzung als "Insellösung" innerhalb eines Büros (Little) oder als durchgängige interdisziplinäre Zusammenarbeit (Big).

2. Genehmigungsverfahren und Rechtserwerb

Die Schaffung von Baurecht und die rechtliche Sicherung der Trasse sind die zentralen Meilensteine vor dem eigentlichen Baubeginn. Für Linienbauwerke gelten hierbei komplexe öffentlich-rechtliche und zivilrechtliche Anforderungen.

2.1. Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren

Große Infrastrukturvorhaben durchlaufen ein mehrstufiges Genehmigungsverfahren, um die Vereinbarkeit mit übergeordneten Zielen und die Abwägung aller Interessen sicherzustellen.

Raumordnungsverfahren (ROV) und Bundesfachplanung

Vor der eigentlichen Trassenfindung steht oft die Korridorsuche. Bei überregionalen Vorhaben (z. B. Höchstspannungsleitungen) wird im Rahmen der Bundesfachplanung (nach NABEG) oder eines Raumordnungsverfahrens ein raumverträglicher Korridor ermittelt. Ziel ist es, Konflikte mit Mensch und Natur frühzeitig zu erkennen.

Planfeststellungsverfahren (PFV)

Das Planfeststellungsverfahren ist das formale Genehmigungsverfahren für den genauen Trassenverlauf. Der Planfeststellungsbeschluss (die "Baugenehmigung" für die Leitung) hat Konzentrationswirkung, das heißt, er umfasst alle anderen notwendigen behördlichen Entscheidungen (z. B. Naturschutz, Wasserrecht).

  • Ablauf: Antragstellung durch den Vorhabenträger → Anhörungsverfahren (Beteiligung von Behörden und Öffentlichkeit) → Erörterungstermin → Planfeststellungsbeschluss.
  • Rechtsgrundlagen: Maßgeblich sind oft das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG, § 43) oder das Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG).
Plangenehmigung (Vereinfachtes Verfahren)

Für kleinere Vorhaben oder Änderungen an bestehenden Leitungen kann nach § 43b EnWG eine Plangenehmigung beantragt werden. Diese kommt ohne öffentliche Auslegung aus, sofern keine erheblichen nachteiligen Umweltauswirkungen zu erwarten sind und mit Betroffenen Einvernehmen erzielt wurde.

UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung)

Ein zentraler Bestandteil ist der Umweltbericht. Er analysiert die Auswirkungen des Vorhabens auf Schutzgüter wie Menschen, Tiere, Pflanzen, Boden, Wasser und das Landschaftsbild.

2.2. Wegerecht und Grundstückssicherung

Damit eine Leitung auf fremden Grundstücken gebaut und dauerhaft betrieben werden darf, muss dieses Recht zivilrechtlich gesichert werden.

Dingliche Sicherung (Grunddienstbarkeit)

Das Standardinstrument zur Sicherung ist die Eintragung einer beschränkten persönlichen Dienstbarkeit in das Grundbuch (Abteilung II). Sie gibt dem Netzbetreiber das Recht, das Grundstück in bestimmten Bereichen zu nutzen (Schutzstreifen) und verbietet dem Eigentümer handlungen, die die Leitung gefährden könnten.

Dienstbarkeitsbewilligung und Bauerlaubnis

Der Vorhabenträger strebt in der Regel eine einvernehmliche Lösung an ("freihändiger Erwerb"). Hierzu wird eine notarielle Dienstbarkeitsbewilligung unterzeichnet. Für die Bauphase selbst wird oft eine vorübergehende Bauerlaubnis (z. B. für Arbeitsstreifen, Zufahrten) vereinbart.

Entschädigung

Eigentümer erhalten eine Entschädigung für die Wertminderung des Grundstücks (durch die Belastung im Grundbuch) und für Aufwuchsschäden (Flurschaden) während des Baus. Die Höhe richtet sich oft nach Rahmenvereinbarungen mit Bauernverbänden oder Gutachten.

Enteignung und Besitzeinweisung

Können sich Vorhabenträger und Eigentümer nicht einigen, kann auf Basis des Planfeststellungsbeschlusses ein Enteignungsverfahren oder eine vorzeitige Besitzeinweisung eingeleitet werden, um den Bau nicht zu verzögern. Dies ist jedoch die "Ultima Ratio".

2.3. Besondere Genehmigungen im Straßenraum

Arbeiten im öffentlichen Verkehrsraum erfordern spezielle verkehrsrechtliche und wegerechtliche Genehmigungen, um die Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten.

Aufgrabungsgenehmigung

Wer öffentlichen Straßengrund aufbrechen will (z. B. für Leitungsverlegung oder Reparatur), benötigt eine Aufgrabegenehmigung (auch Aufbruchschein oder Zustimmung des Baulastträgers). Hierbei wird unterschieden zwischen Maßnahmen mit Leitungsverlegung (AmL), ohne Leitungsverlegung (AoL) oder Arbeiten geringen Umfangs (AgU).

Sondernutzungserlaubnis

Die Nutzung öffentlichen Raums über den Gemeingebrauch hinaus (z. B. Lagerung von Baumaterial, Aufstellen von Containern oder Kränen auf Geh- und Radwegen) erfordert eine Sondernutzungserlaubnis. Diese ist oft gebührenpflichtig.

Verkehrsrechtliche Anordnung (VAO)

Nach § 45 StVO muss für jede Arbeitsstelle im Straßenraum eine verkehrsrechtliche Anordnung beantragt werden. Sie regelt verbindlich, wie die Baustelle abzusichern ist (Beschilderung, Umleitungen, Lichtsignalanlagen), um den Verkehr zu lenken und Arbeitskräfte zu schützen.

Kreuzungsrichtlinien

Bei der Kreuzung von Verkehrswegen (Bahn, Autobahn, Wasserstraßen) gelten spezielle vertragliche und technische Regelungen, wie die Stromleitungskreuzungsrichtlinien (SKR) oder Gas- und Wasserleitungskreuzungsrichtlinien (GWKR) im Verhältnis zur Deutschen Bahn.

3. Baugrunderkundung und Bodenmanagement

3.1. Geotechnische Untersuchungen

  • Planung und Durchführung von Baugrunduntersuchungen nach DIN 4020.
  • Einstufung in Geotechnische Kategorien (GK 1–3).
  • Erkundungsverfahren: Direkte (Bohrungen, Schürfe) und indirekte Aufschlüsse (Sondierungen).

3.2. Bodenklassifizierung und Homogenbereiche

  • Umstellung von Bodenklassen auf Homogenbereiche gemäß VOB/C (DIN 18300 ff.).
  • Leitparameter für die Einteilung von Homogenbereichen (Korngröße, Lagerungsdichte, Plastizität).
  • Anwendung der Homogenbereiche für Erdarbeiten, Bohrarbeiten und Rohrvortrieb.

3.3. Umgang mit Bodenmaterial und Abfall

  • Ersatzbaustoffverordnung (ErsatzbaustoffV): Anforderungen an Einbau und Güteüberwachung.
  • Beprobung von Boden und Bauschutt (LAGA PN 98): Haufwerksbeprobung und in-situ Untersuchungen.
  • Verwertung und Entsorgung: Trennungsgebot von Ober- und Unterboden, Schadstoffprüfung.

4. Technische Planung und Trassierung

4.1. Bestandsaufnahme und Leitungsauskunft

  • Erkundigungspflicht und Einholung von Planauskünften bei Netzbetreibern.
  • Nutzung von Leitungsauskunftsportalen (BIL, ALIZ) zur Zuständigkeitsprüfung.
  • Ortung von Leitungen durch Suchschlitze und Handschachtung.

4.2. Trassierungsgrundsätze

  • Bündelungsgebot mit bestehenden Infrastrukturen (Verkehrswege, Leitungen) zur Minimierung von Eingriffen.
  • Abstandsvorgaben zu Wohnbebauung und anderen Schutzgütern.
  • Kreuzungen mit Bahn, Straßen und Gewässern: Technische Richtlinien (z.B. Stromkreuzungsrichtlinien, GWKR).

4.3. Technologieentscheidung: Freileitung vs. Erdkabel

  • Kriterien für Höchstspannungsleitungen (EnLAG, BBPlG) und Pilotprojekte für Erdverkabelung.
  • Wirtschaftlichkeitsvergleich und Kostenfaktoren (Investitions- vs. Betriebskosten).
  • Vergleich der CO2-Emissionen bei offener und grabenloser Bauweise.

5. Bauverfahren und Technik

Detaillierte technische Funktionsweisen der gängigen Tiefbau- und Sanierungsverfahren.

5.1. Grabenlose Neulegung

1. Horizontal-Spülbohrverfahren (HDD)

Das HDD-Verfahren ist eine steuerbare Technik zur grabenlosen Verlegung, die in drei Phasen abläuft:

  • Pilotbohrung: Ein Bohrkopf wird von der Startgrube zur Zielgrube gesteuert vorgetrieben. Er ist mit einem Sender ausgestattet, der eine präzise Ortung von der Oberfläche ermöglicht. Aus Düsen am Bohrkopf tritt eine Bentonit-Bohrspülung aus, die den Boden löst, kühlt und den Bohrkanal stützt.
  • Aufweitung (Räumen): Nach Ankunft in der Zielgrube wird der Bohrkopf gegen einen Aufweitkopf (Räumer/Backreamer) getauscht. Dieser wird drehend und spülend zurückgezogen, um das Bohrloch auf den erforderlichen Durchmesser (ca. 1,3-facher Rohrdurchmesser) zu vergrößern.
  • Rohreinzug: Hinter dem Räumer ist der Rohrstrang über einen Drehwirbel befestigt. Er wird in den mit Spülung gestützten Kanal eingezogen, ohne dass sich das Rohr selbst mitdreht.
2. Mini-HDD

Dies ist die kompakte Variante des HDD-Verfahrens für den innerstädtischen Bereich und Hausanschlüsse.

  • Funktionsweise: Das Prinzip ist identisch zum großen HDD (Pilotbohrung, Aufweitung, Einzug), jedoch sind die Anlagen wesentlich kleiner („Kleinbohrgeräte“).
  • Ablauf: Die Bohrung startet oft aus einer kleinen Startgrube oder einem „Keyhole“. Aufgrund der geringeren Durchmesser (oft für Kabel/Leerrohre) kann der Aufweitvorgang manchmal entfallen oder in einem Zug mit dem Rohreinzug erfolgen.
3. Microtunneling (Rohrvortrieb)

Ein ferngesteuertes Verfahren für den präzisen Kanalbau, auch unter Grundwasser.

  • Ablauf: Von einem Startschacht aus drücken hydraulische Pressen die Vortriebsrohre (Beton, GFK, Steinzeug) durch den Boden.
  • Bodenabbau: An der Spitze arbeitet eine Schildmaschine mit einem rotierenden Schneidrad. Der Boden wird vollflächig an der Ortsbrust abgebaut.
  • Förderung: Das abgebaute Material wird meist hydraulisch (über Spülleitungen) oder mechanisch (Schneckenförderung) durch den Rohrstrang nach hinten transportiert.
  • Steuerung: Ein Laser leitet die Maschine millimetergenau; Steuerzylinder im Bohrkopf korrigieren die Richtung.
5. Bodenverdrängungsverfahren (Erdrakete)

Ein ungesteuertes Verfahren, primär für Hausanschlüsse.

  • Funktionsweise: Ein pneumatisch betriebener Verdrängungshammer (die „Rakete“) wird durch Druckluft angetrieben. Ein Schlagkolben im Inneren schlägt auf den Kopf der Maschine, wodurch sie sich durch das Erdreich arbeitet und den Boden zur Seite verdrängt.
  • Rohreinzug: Das Kunststoffrohr (meist PE) wird entweder direkt hinterhergezogen oder nach dem Durchschlag in die entstandene Erdröhre eingeschoben.
  • Limitierung: Da das Verfahren ungesteuert ist, muss die Rakete in der Startgrube mittels Peiloptik exakt ausgerichtet werden.
8. Dynamisches Rammverfahren

Ein Verfahren zum Vortrieb von offenen Stahlrohren, oft für Gleis- oder Straßenquerungen.

  • Funktionsweise: Eine druckluftbetriebene Ramme wird hinten an ein offenes Stahlrohr angesetzt. Durch die Schlagenergie wird das Rohr offen durch das Erdreich getrieben.
  • Besonderheit: Das Erdreich dringt in das Rohr ein (Erdkern) und wird nicht verdrängt, was Hebungen an der Oberfläche verhindert. Nach dem Vortrieb wird der Erdkern mit Druckluft und/oder Wasser herausgepresst.

5.2. Schnellverlegung (Land & Oberfläche)

6. Pflugverfahren

Ein schnelles Verfahren für die Verlegung von Kabeln und Rohren in offener Flur.

  • Funktionsweise: Eine starke Zugmaschine zieht ein Pflugschwert durch den Boden. Das Erdreich wird dabei nicht ausgehoben, sondern durch das Schwert verdrängt und angehoben.
  • Verlegung: In einem Führungsschacht hinter dem Pflugschwert werden die Leitungen (Kabel oder flexible Rohre) geschützt auf die Sohle des Schlitzes abgelegt.
  • Verschluss: Der Schlitz schließt sich hinter dem Pflug meist von selbst oder wird durch Überfahren sofort wieder verschlossen; es findet keine Bodenvermischung statt.
7. Fräsverfahren (Trenching)

Dient zur Herstellung schmaler Schlitze in befestigten oder unbefestigten Oberflächen.

  • Funktionsweise: Eine Fräse (Kettenfräse oder Fräsrad) schneidet einen schmalen Graben (Schlitz) in den Boden oder Asphalt.
  • Ablauf: Der Aushub wird mechanisch gefördert und abgelegt oder direkt auf einen LKW verladen. Unmittelbar danach werden die Leitungen (oft Glasfaser-Mikrorohre) in den Schlitz gelegt und der Graben wieder verfüllt.

5.3. Sanierungsverfahren

4. Relining-Verfahren

Hierbei handelt es sich um Sanierungsverfahren, bei denen ein neues Rohr in ein bestehendes Altrohr eingebracht wird.

  • Schlauchlining (CIPP): Ein mit Kunstharz getränkter Gewebeschlauch wird in das Altrohr eingestülpt (invertiert) oder eingezogen. Mittels Luft- oder Wasserdruck wird er an die alte Rohrwand gepresst und anschließend durch Wärme (Dampf/Wasser) oder UV-Licht ausgehärtet. Es entsteht ein „Rohr im Rohr“.
  • Einzelrohr-/Rohrstrang-Relining (Slip-Lining): Neue, im Durchmesser kleinere Rohre werden in das Altrohr eingeschoben oder eingezogen. Der verbleibende Ringraum wird oft verdämmt.
  • Close-Fit-Verfahren: Ein werkseitig gefaltetes PE-Rohr wird eingezogen und durch Druck und Dampf wieder in seine runde Form gebracht, sodass es eng (close-fit) am Altrohr anliegt.
10. Berstlining

Ein Erneuerungsverfahren, bei dem eine alte Leitung in gleicher Trasse zerstört und ersetzt wird.

  • Funktionsweise: Ein Berstkörper (Berstkopf) wird durch die alte Leitung gezogen (statisch) oder geschlagen (dynamisch).
  • Prozess: Der Berstkopf zerstört das Altrohr (z. B. Steinzeug, Guss) und drückt die Scherben in das umliegende Erdreich. Gleichzeitig weitet er den Hohlraum auf und zieht das neue Rohr (meist PE) unmittelbar hinter sich ein.
  • Vorteil: Der Querschnitt kann beibehalten oder sogar vergrößert werden (Upsizing).

5.4. Offene Bauweise

9. Offene Bauweise

Das konventionelle Verfahren, bei dem ein Graben ausgehoben wird.

  • Ablauf:
    1. Aufbruch der Oberfläche (Asphalt/Boden).
    2. Aushub des Grabens (ggf. mit Verbau zur Sicherung der Wände).
    3. Herstellung einer ebenen Rohrbettung (Sand/Kies).
    4. Verlegung der Rohre.
    5. Lagenweise Verfüllung und Verdichtung des Grabens, um Setzungen zu vermeiden.
    6. Wiederherstellung der Oberfläche.

6. Sanierung und Instandhaltung

6.1. Strategien und Zustandserfassung

  • Inspektion: Optische Kanalinspektion, Dichtheitsprüfung.
  • Reparatur, Renovierung und Erneuerung: Begriffsdefinitionen und Abgrenzung.

6.2. Sanierungsverfahren

  • Schlauchlining (CIPP): Vor-Ort-härtende Schlauchliner für Druck- und Freispiegelleitungen.
  • Berstlining: Grabenlose Erneuerung unter Zerstörung des Altrohrs.
  • Flutungsverfahren: Abdichtung von verzweigten Grundleitungen.
  • Zementmörtelauskleidung für Druckrohrleitungen.
  • Schachtsanierung: Beschichtung und Auskleidung.

7. Umwelt- und Immissionsschutz

7.1. Naturschutz und Landschaftspflege

  • Landschaftspflegerischer Begleitplan (LBP): Bestandserfassung, Konfliktanalyse, Maßnahmenplanung.
  • Artenschutz (saP): Vermeidung von Verbotstatbeständen, Bauzeitenregelungen.
  • Ökologische Baubegleitung: Überwachung der Schutzmaßnahmen vor Ort.

7.2. Bodenschutz

  • Vorsorgender Bodenschutz beim Leitungsbau: Bodenschutzkonzept, bodenkundliche Baubegleitung.
  • Vermeidung von Gefügeschäden und Verdichtungen.

7.3. Immissionsschutz

  • Baulärm und Erschütterungen: Einhaltung der AVV Baulärm und DIN 4150.
  • Elektrische und magnetische Felder (26. BImSchV): Grenzwerte bei Hochspannungsleitungen.

7.4. Archäologie und Denkmalschutz

  • Umgang mit Bodendenkmälern: Prospektion, Grabung, Dokumentation.

8. Dokumentation und Projektabschluss

8.1. Bestandsdokumentation

  • Erstellung von Bestandsplänen und Dokumentation der Lage.
  • Beweissicherung: Zustandserfassung von Straßen und Gebäuden vor und nach der Maßnahme.

8.2. Qualitätssicherung und Abnahme

  • Dichtheitsprüfungen für Kanäle und Leitungen.
  • Verdichtungsnachweise für den Erdbau.
  • Lessons Learned und Projektabschlussbericht.

9. Kalkulationsannahmen & Standards

Die in WENDY verwendeten Standardwerte für Kostenkalkulationen und CO₂-Berechnungen basieren auf brancheÜblichen Durchschnittswerten. Diese können in den Projekteinstellungen angepasst werden.

9.1. Verfahrenskosten (Default)

HDD (Horizontal Directional Drilling)
DN 0-200130 €/m
DN 201-400110 €/m
DN 401-710160 €/m
Mini-HDD (Kurzstreckensteuerbohrung)
DN 0-6365 €/m
DN 64-11090 €/m
DN 111-160110 €/m
Microtunneling
DN 300-6001200 €/m
DN 601-12002800 €/m
DN 1201-30004000 €/m
Relining
DN 0-300180 €/m
DN 301-600280 €/m
DN 601-1200450 €/m
Bodenverdrängungsverfahren (Erdrakete)
DN 0-10065 €/m
Pflugverfahren
DN 0-20013 €/m
Fräsverfahren
DN 0-30050 €/m
Dynamisches Rammverfahren
DN 400-600220 €/m
DN 601-1000280 €/m
BUDDEL (Universalvortrieb)
DN 0-801.75 €/m
DN 81-1252.75 €/m
Pauschale:120
Berstlining
DN 0-300170 €/m
DN 301-600240 €/m
BOB (Tunnelbohrroboter)
DN 0-99992 €/m
Offene Bauweise
Basispreis300 €/m

Zzgl. Oberflächenwiederherstellung und Bodenaustausch.

9.2. CO₂-Berechnungsindizes

Die CO₂-Emissionen werden relativ zur offenen Bauweise (Index 1.0 = 100%) berechnet. Faktoren wie Materialtransport, Aushubvolumen und Maschinenlaufzeiten sind in diesen Indizes aggregiert.

VerfahrenCO₂-Index (Ref. Offen)Einsparung
Pflugverfahren12%-88%
Bodenverdrängungsverfahren (Erdrakete)18%-82%
BOB (Tunnelbohrroboter)20%-80%
BUDDEL (Universalvortrieb)20%-80%
Berstlining23%-77%
Mini-HDD (Kurzstreckensteuerbohrung)25%-75%
Relining25%-75%
Fräsverfahren30%-70%
HDD (Horizontal Directional Drilling)35%-65%
Dynamisches Rammverfahren45%-55%
Microtunneling55%-45%
Offene Bauweise100%-0%

Wissens-Referenz

Technische Details und Kennzahlen.

Verfahrens-Wiki (Details)

Detaillierte Spezifikationen zu den im Handbuch (Kapitel 5) genannten Verfahren.

Erdrakete (Ungesteuert)

Ideal für Hausanschlüsse. Nicht steuerbar.

Luftbedarf Ø 55mm0,5 m³/min
Schläge/min~480

Microtunneling (Pressung)

Für Kanalbau mit exaktem Gefälle. Hohe Presskräfte!

Erfordert statisch bemessene Widerlager im Startschacht.

Kosten & Risiken

Bodenklassen (DIN 18300)

  • BK 3-5 (Leicht): ~ 4-8 €/m³
  • BK 6 (Fels): ~ 60-80 €/m³
  • BK 7 (Schwer): ~ 100+ €/m³

Entsorgung

  • Z0 Boden: ~ 42 €/t
  • Z2/Asphalt: ~ 145 €/t